Tag Archive for 'Buchtipp'

Weil Wölfe nicht lügen können

rowlandsjpg

Eines der schönsten Bücher über Wölfe und Menschen und über das menschliche Dasein überhaupt, das ich je gelesen habe, ist Mark Rowlands “Der Philosoph und der Wolf. Was ein wildes Tier uns lehrt“. Mark Rowlands, Philosophieprofessor an der Universität Miami, lebte elf Jahre lang mit seinem Wolf Brenin zusammen. In seinem Buch schildert er sein Leben mit dem Wolf und seine Gedanken über das Mensch- und Tiersein. Sie sind voller Scharfsinn, Liebe und Respekt gegenüber dem Tier und enthalten implizit eine Kampfansage an alle, die mit Ignoranz und Arroganz Tieren begegnen, was nicht nur etwas über ihre Haltung gegenüber Tieren, sondern auch über ihre Haltung gegenüber Menschen und dem Leben allgemein aussagt.

Unsere Zivilisation hat die Wölfe nahezu ausgerottet. Die meisten sind der Meinung, dass Wölfe in der Zivilisation nicht leben können und sollen. Überraschenderweise ist auch Rowlands dieser Ansicht, aber aus anderen Gründen als die meisten: Für ihn ist der Wolf zu ehrlich, um überleben zu können:

“(…) sie sind nicht in der Lage zu lügen. Und deshalb haben sie keinen Platz in der zivilisierten Gesellschaft. Ein Wolf kann uns nicht belügen, ebenso wenig wie ein Hund.”

rowlands_u1_rz2

Bildquellen: Verlag Rogner & Bernhard

Liebe auf einem englischen Erdbeerfeld

Liebevoll, mit hintergründiger Ironie und in direkter, unverschnörkelter Sprache erzählt Marina Lewycka in ihrem Roman “Caravan” die Geschichte einer Handvoll Leute aus Polen, der Ukraine, China und Afrika, die als Erdbeerpflücker nach England gehen, voller Träume und Sehnsüchte. Natürlich werden die nicht erfüllt, stattdessen erlebt die Gruppe eine Realität der Ausbeutung und Kriminalität, die Lewycka heiter und nie verbittert schildert. Unaufgeregt und unaufdringlich werden hier zwei Lebensmodelle gezeigt, zwischen denen die Personen schwanken: Der kapitalistisch und individualistisch geprägten westlichen Welt und der des “alten Ostens”, in der die Familie und das Kollektiv bestimmend waren. So erfährt der Leser viel über die Mentalität und Gefühlslage der Menschen aus den ehemaligen Ostblockstaaten, ebenso über die Billiglohnarbeit in unserer Welt. Von diesen Gegensätzen lebt der Roman vor allem.

Aber er lebt auch von einer Liebesgeschichte zwischen zwei Pflückern: Dem aus gutem Hause stammenden ukrainischen Mädchen Irina und Andrij, Sohn eines Bergarbeiters, die den roten Faden der Geschichte bildet und gleichzeitig Einblicke in zwei Gesichter der Ukraine bietet.

Ein berührender Roman, der – indirekt und leise – viel über den Zustand der westlichen Gesellschaften erzählt. Hier ein Link zum Verlag.



Improve the web with Nofollow Reciprocity.