Das Lernen verändert sich, das ist klar. Wenn auch in Deutschland – immer schon ist das Klima hier weniger experimentell, neugieriger und offener als beispielsweise in den USA oder GB – langsamer. Aber auch hier verändert es sich: Von formalisierten, institutionalisierten Lernformen und -prozessen hin zu informellem Lernen, Mitmach-Lernen, einer “society of engagement”, Mikrolernen. Wikis, Twitter, die web 2.0-Dienste zeigen es längst. Eine spannende Frage ist, wie sich die Zukunft “althergebrachter” Lernformen wir Kursen gestaltet. Wird es Präsenz-Kurse überhaupt noch geben? Was ist mit Mischformen wie Blended Learning? George Siemens sieht die Rolle von Kursen in Zukunft vor allem darin, klar abbgegrenztes, “statisches” Wissen wie Geschichtswissen, Wissenschaftsgeschichte oder Philosophie zu vermitteln. Hier kann man klare Grenzen um die Information ziehen. Wie ist es aber mit komplexem, rasch veränderlichem und multiperspektivischem Wissen? Sind Lernformen wie Kurse hier angemessen und effektiv? George Siemens meint Nein:
“If the discipline is not stable, any pre-constructed model will be ineffective. It’s like trying to identify someone who is 65 years old when all you have is her baby picture.”
“Courses, therefore, are best served in developing basic knowledge and skills.”
Spannend ist natürlich die Frage, wie sich das Fremdsprachenlernen entwickeln wird. Ist es zu den “Basics” zu zählen? Für einige sicherlich schon: In den Integrationskursen in Deutschland beispielsweise sind viele Teilnehmer, die mit dem Fremdsprachenlernen überhaupt das erste Mal in ihrem Leben lernen. In ihrem Heimatland haben sie keine oder nur eine sehr kurze Schulbildung erfahren. Viele haben noch nie einen Computer benutzt. Diese Leute benötigen sicherlich erst einmal die Basiswerkzeuge, um mit Lernen, Informationsbeschaffung und Medien überhaupt umzugehen. Aber es gibt auch viele Integrationskursteilnehmer, die “fit” sind, was das autonome, gesplitterte Lernen betrifft. Man fragt sich manchmal, warum sie überhaupt einen Kurs besuchen. Sie werden sicherlich das Social Web optimal nutzen können, auch für das Deutschlernen.
Letztlich scheint es mir auf eine Frage des ZUGANGS zu den Informationen hinauszulaufen. Wer kommt wie an die Informationen heran? Wer hat die Fähigkeit entwickeln können, sie am besten für sich zu nutzen? Daran ist letztlich eine soziale Frage geknüpft, wie mir scheint. Werden die neuen Spaltungslinien der Gesellschaft hier verlaufen, an den Zugangscodes zur Informationsbeschaffung? Hier bekomme ich gerade eine Assoziation zu Gilles Deleuze, der von Chiffren spricht: Die Chiffren sind Losungen (früher waren es die Parolen), die den Zugang oder die Abweisung zur Information kennzeichnen, die das Wesen unserer Gesellschaft kennzeichnen. Zumindest hatte ich das so verstanden.
Das Interview mit George Siemens ist hier nachzulesen. Gefunden habe ich es im Jochen Robes Weiterbildungsblog!




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