
Grafik: Sinus Soziovision
Ich hatte hier schon mal über die Studie zur Integration in Deutschland des Berlin-Institus für Bevölkerung und Entwicklung geschrieben. Die Studie teilte die Migranten nach ethnischer Herkunft ein und kam so zu dem Schluss, dass türkischstämmige Migranten gegenüber Migranten aus der EU und sogenannten Aussiedlern schlechter integriert seien. Sie machte gelungene Integration außerdem an sozio-ökonomischen Kriterien wie dem Bildungsabschluss fest. Außerdem versuchte sie den Integrationserfolg regional aufzusplitten und kam zu dem Ergebnis, dass Migranten in Nürnberg schlechter integriert seien als beispielsweise in München oder Frankfurt. Obwohl sich das Berlin-Institut als “unabhängiger Think tank” betrachtet, ist die Vorgehensweise fragwürdig und gleicht eher professioneller PR als unabhängig-wissenschaftlicher Forschungsarbeit: Siehe dazu den Artikel im MARXblog.
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Liebevoll, mit hintergründiger Ironie und in direkter, unverschnörkelter Sprache erzählt Marina Lewycka in ihrem Roman “Caravan” die Geschichte einer Handvoll Leute aus Polen, der Ukraine, China und Afrika, die als Erdbeerpflücker nach England gehen, voller Träume und Sehnsüchte. Natürlich werden die nicht erfüllt, stattdessen erlebt die Gruppe eine Realität der Ausbeutung und Kriminalität, die Lewycka heiter und nie verbittert schildert. Unaufgeregt und unaufdringlich werden hier zwei Lebensmodelle gezeigt, zwischen denen die Personen schwanken: Der kapitalistisch und individualistisch geprägten westlichen Welt und der des “alten Ostens”, in der die Familie und das Kollektiv bestimmend waren. So erfährt der Leser viel über die Mentalität und Gefühlslage der Menschen aus den ehemaligen Ostblockstaaten, ebenso über die Billiglohnarbeit in unserer Welt. Von diesen Gegensätzen lebt der Roman vor allem.
Aber er lebt auch von einer Liebesgeschichte zwischen zwei Pflückern: Dem aus gutem Hause stammenden ukrainischen Mädchen Irina und Andrij, Sohn eines Bergarbeiters, die den roten Faden der Geschichte bildet und gleichzeitig Einblicke in zwei Gesichter der Ukraine bietet.
Ein berührender Roman, der – indirekt und leise – viel über den Zustand der westlichen Gesellschaften erzählt. Hier ein Link zum Verlag.
Endlich: Die Antwort auf die Frage, die ich mir schon lang gestellt habe: Wie geht eigentlich Integration? Ganz einfach! “Sie muss aus der Seele kommen.” Ach so! Na dann!
Als türkischer Nürnberger hat man schlechte Karten. Besser mit der Integration läuft es da schon als polnischer Münchner. Oder Münchner Pole? Na, wie auch immer, zumindest sagt das eine Studie zur Integration (”Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland“) des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung vom Januar 2009.
Und wer sind die Macher? Hier ein interessanter Beitrag über das Berlin-Institut.
Es ist schon komisch: Während überall von e-Learning die Rede ist und das “Ende der Kreidezeit” verkündet wird (zum Beispiel hier), ist man in den Integrationskursen mit einer ganz anderen Wirklichkeit konfrontiert. Zum Beispiel hat man den Eindruck, als hätten viele der Integrationskursteilnehmer noch nicht einmal Zugang zum Internet, obwohl eine Studie von ARD/ ZDF von 2007 sagt, Fernsehen und Internet würden von Migranten und Deutschen gleichermaßen genutzt. Allerdings belegt Platz 1 der meistgenutzten Themen “Nachrichten zum Weltgeschehen”, Foren und Chats liegen weit abgeschlagen bei 10%.
In den Kursen liegen bzw. sitzen die Extreme oft nebeneinander: Estnische Studenten, für die ein Blog das Normalste der Welt ist neben türkischen Hausfrauen, die in ihrer Heimat nur die Grundschule besucht haben und für die das Umgehen mit einem Lehrbuch eine Herausforderung ist.
Dazu kommt: Das Equipment bei vielen Kursträgern ist vom “Ende der Kreidezeit” noch Lichtjahre entfernt. Über Flipchart und Whiteboard freut man sich wie ein kleines Kind. Overheadprojektoren mit dem Charme eines 80er-Jahre-Klassenzimmers gehören ebenso zur Normalität wie Kreide und Schwamm. Was nicht heißt, dass der Unterricht mit Kreide und Schwamm notgedrungen schlechter ist. Aber man würde ja gern mal ein bisschen experimentieren … Aber leider sucht man auch oft vergeblich nach einer gewissen Offenheit und Neugier für neue Lernformen bei den Institutionen, was oft mit dem Sparzwang-Argument gerechtfertigt wird.
Die Kursraum-Kommentare